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Helmut Bahia 1979

Ich bin 1979 das erste Mal, mit meiner Frau Marga zusammen, nach Salvador, Bahia geflogen. Wir wollten dort meinen Bruder besuchen, der am örtlichen Goethe-Institut arbeitete.

Die Militärdiktatur lag in den letzten Zügen. Uniformen, Waffen und Soldaten waren aber immer noch omnipräsent. Dadurch war mein erster Eindruck von Brasilien eher negativ, zumal auch alles sehr verwahrlost wirkte.

Bei einer Segeltour lernten wir zufällig einen Schweizer kennen, der schon seit Jahren als Profitaucher bei der staatlichen PetroBras arbeitete. Besagter Schweizer hatte die Genehmigungen bekommen, um nach alten Galeonen in Bahia zu tauchen und suchte qualifizierte Mitarbeiter. Ich hatte zu der Zeit schon einige Taucherfahrung und diverse Tauchzertifikate gesammelt und stand nun von Heute auf Morgen vor der Entscheidung, meine Parnerschaft an einer deutschen Musikagentur aufzugeben und einem Wunschtraum nachzugehen, den die meisten meiner Zeitgenossen als Hirngespinst abtaten.

Wir arbeiteten ca 1 Jahr auf dem Bergungsschiff an diversen Schiffswracks portugiesischer und holländischer Herkunft. Wir lernten mit dem Airlift (Unterwasser -Staubsauger) umzugehen und alte Kanonen und chinesisches Porzellan zu bergen.

Im Laufe der Zeit lernten wir die Bahia dos todos os Santos von Salvador sehr gut kennen und auch etwas weiter südlich die Ilha de Tinharé, deren Hauptort Morro de Sao Paulo zu der Zeit noch völlig unbekannt war.

 

1980 kauften wir dort einen 1,5 ha grossen Hügel mit traumhafter 240° Aussicht aufs Meer. Es gab dort nur niedriges Gestrüpp, kein Wasser und auch auf der ganzen Insel keinen elektrischen Strom, ausser einem kleinen Dorfgenerator.

Die Einheimischen hielten uns damals wahrscheinlich für verrückt, für so ein "wertloses" Stück Land U$ 2000 zu bezahlen. Morro de Sao Paulo war damals ein unbekanntes kleines Fischerdorf mit Lehmhütten und ca 300 Einwohnern. Kein Hotel, kein Restaurant, nur unberührte Natur. Aber wer hat nicht selber schon oft von "seiner" kleinen Insel in den Tropen mit unberührten Palmenstränden geträumt.

Marga und ich bauten unser Wohnhaus ohne fremde Hilfe. Den Zement mussten wir vom Hafen den Berg hochschleppen, alles Baumaterial kam vom Festland, jeder Wassertropfen war Gold wert.

Bis dahin hatte ich noch niemals eine Maurerkelle in der Hand gehalten, mit der Zeit ging es immer besser. Hartholz mit einem Fuchsschwanz zu sägen oder mit einer handbetriebenen Bohrmaschine zu bohren, war eine neue mühselige Erfahrung, die sehr viel Zeit und Geduld erforderte.

 

Wir wohnten in einem Zelt ohne Schatten oder Bademöglichkeit. Es gab im Tal einen Süsswassersee in dem wir baden konnten und von wo wir unser Wasser in 20 Liter Kanistern durch den Busch den Berg hochtransportierten.

Nach und nach kamen die kleinen Annehmlichkeiten: die erste Nacht unterm eigenen Dach, eine Solarzelle um die Autobatterie für die kleine Musikanlage zu betreiben, Wasser aus der hinter dem Haus gelegenen Regenwasserzisterne. Irgendwann dann wurde ein Gaskühlschrank angeschafft und wir fühlten uns wie die Fürsten mit unseren ersten Eiswürfeln in der Caipirinha.

Alle 6 Monate mussten wir nach Parguay ausreisen um ein neues Touristenvisum zu bekommen. Das waren jedesmal 110 Stunden Bus hin und zurück. Es war der Horror: schlechte Strassen, alte Busse und rennverrückte Busfahrer.

Zwischendurch ging es immer mal wieder für einige Monate nach Deutschland zum jobben, um das Konto aufzufüllen. Irgendwann kauften wir dann einen Segelschoner und machten die ersten Touristenfahrten von und nach Salvador, boten Tauchfahrten an und wurden langsam autark in Bahia.

Unsere Tochter Tania wurde 1987 geboren, 3 Jahre später folgte unser Sohn Jan. Beide gingen in die Dorfschule und später auch auf das Inselgymnasium.

1987 begannen wir auch, unsere Pousada zu bauen. Durch die Kinder bekamen wir die Aufenthaltsgenehmigung und alles wurde etwas einfacher.

 

 

Stück für Stück holte uns die Zivilisation wieder ein. Morro wurde zum Geheimtipp für europäische Aussteiger. Es gab nun elektrischen Strom, Wasser, Telefon, Fax, später Internet etc. und dadurch natürlich auch wieder Rechnungen über Rechnungen. Die Grundstückpreise stiegen ohne Ende.

 

Heute haben wir eine kleine aber feine Hotelanlage mit 6 Bungalows und 3 gemütlichen Apartments. Unser einst kahler Hügel ist jetzt ein tropischer Garten mit vielen Kokospalmen, Mangabäumen und Bananen, wo sich kleine Äffchen und viele bunte Colibris angesiedelt haben.

 

 

Unsern schönen Swimmingpool ohne Chlor oder Ozon mit Liegewiese gibt es erst seit einem Jahr und in unserem Restaurant haben wir schon denkwürdige Abende an der Bar mit unseren internationalen Gästen verbracht. Viele Gäste kommen seit Jahren immer wieder und wurden zu Freunden.

 

Brasilien ist uns inzwischen Heimat geworden und wir fühlen uns nach wie vor sehr wohl in unserem gelebten Traum.

 

Wenn ihr Interesse habt, Helmut in seiner Pousada auf der Insel Morro de Sao Paulo zu besuchen, schaut einfach unter:

Pousada Colibri